Frisch verliebt und das Ende naht
Der letzte Abschnitt einer beeindruckenden Reise
31.08.2009
Hallo liebe Leser,
Willkommen bei meinem wohl letzten Eintrag. Es ist der letzte Tag meiner Reise und ich sitze mit einem Kaffe im Starbucks auf dem Plaza Singapura. Glücklich und zugleich sehr traurig blicke ich auf meine letzten acht Wochen zurück und möchte Euch abschließend von meinen eindrucksvollen letzten fünf Tagen berichten.
Nachdem ich im Taxi endlich aufhörte, zu weinen, kam ich am Busbahnhof an und wusste ja schon von meiner Reise nach Kambodscha, wie das mit dem Bus zum Flughafen funktioniert, nur das ich diesmal ungefähr fünfundreißig Kilo mehr Gepäck hatte. Die Fahr verlief reibungslos, alle waren sehr nett zu mir (so oft finden sich dort am Busbahnhof wohl keine allein reisenden blonden Frauen) und obwohl die Fahrt nur eine Stunde dauerte schlief ich wie ein Baby. Gepäck abgeben, fünf Kilo Übergepäck bezahlen, was Essen, mich für meinen schweren Rucksack selbst verfluchen und schnell noch versuchen, ins Internet zu gehen, denn ich hatte versäumt, mir die Adresse des Hostels in Hongkong aufzuschreiben. Daran erkennt man, wie aufgeregt ich war, dort hin zu fliegen. Wie oft im Leben bekommt man schon eine so großartige Chance? Noch dazu, wenn man in den letzten sieben Wochen schon durch halb Südostasien gereist ist?! Trotz meiner Aufregung und meiner tiefen Dankbarkeit, schlief ich auch in diesem Flugzeug wieder wie ein kleines Baby in Mamas Arm und wachte beim Landeanflug auf HK wieder auf. Ich war glücklich! Doch leider erreichte ich Seth, der Hongkonger Praktikant, der schon zwei Wochen eher heim geflogen war, nicht auf seinem Handy. (Dafür musste ich einem Mobilfunkladen nach einem Ladekabel fragen, um seine Nummer aus meinem ungeladenen Handy zu bekommen!) Machte mir aber nichts, denn ich nahm einfach den Bus und ließ mich mit meinem tonnenschweren Gepäck durch die unglaubliche Metropole fahren. Unglaublich! Ich wurde gar nicht mehr fertig mit staunen. Ein Wolkenkratzer neben dem nächsten. In dieser Stadt schien es kein Haus zu geben, das weniger als zwanzig Stockwerke hat. Gott, waren da viele Menschen und ich hatte keine Ahnung, wo ich aussteigen musste, denn der Busfahrer verstand kein Englisch. Ein freundlicher Geschäftsmann, der auch nach Tsim Sha Tsui wollte, machte mir dann klar, wo ich raus musste. Sogleich wurde ich dann auch von dutzenden von Indern umzingelt und gefragt ob ich eine gefälschte Markenuhr, ein Zimmer, gefälschte Taschen, eine Massage oder einen Schneider bräuchte. Instinktiv ging ich ohne einen Stadtplan zu haben in die richtige Richtung und erreichte das Hochhaus in dem mein Hostel sein sollte. Das Staunen hörte auch hier nicht auf, denn sowas hatte ich noch nicht gesehen: ein zwanzig stöckiges Haus, vollkommen eingerüstet, aber nicht mit einem Metallgerüst, sondern einem Gerüst ganz aus Bambusstangen! Unwahrscheinlich! Mein Hostel sollte in der dreizehnten Etage sein und ich bekam, nachdem ich das Zimmer mit allem Geld bezahlte, dass ich am Flughafen getauscht hatte, ein Zimmer für zwei, weil nichts anderes frei war, sollte es aber am nächsten Tag tauschen. Ich hatte ja gelesen, dass die Zimmer hier klein sind, aber so klein?! Ich kann mir nicht vorstellen, wie zwei Personen in einem solchen Wohnklo klarkommen sollen. Für mich allein wars klasse, neu gemacht und Klimaanlage, warmes Wasser, aber ohne Fenster. Habt ihr schon mal in einem Zimmer ohne Fenster geschlafen? Weils nicht hell wird, schläft man einfach ohne jegliches Zeitgefühl. Doch vor dem Schlafen gehen, rief ich Seth an, der mich schon erwartete und mit mir und einer ganz süßen Freundin von sich noch was essen ging. Doch der Hammer kam danach. Nicht nur, dass ich noch nie eine so riesige Ansammlung mächtig großer Markengeschäfte (Gucci, Chanel, Esprit, Rolex usw. haben in HK ihre Flagshipstores) gesehen habe, doch mein Atem stoppte beim Anblick der Skyline. Ich dachte Singapur wäre bombastisch mit seiner Skyline, doch was ich dort sah, war einer nicht enden wollende Anhäufung, toll beleuchteter Hochhäuser, die sich über Kilometer hinzog! Ich war auf den Schlag verliebt in diese Aussicht! Nach dem Abschied von Seth und Cynithia schlief ich bis fast Mittags, bevor ich mich auf die Suche nach Kaffee und Internet machte, um anschließend meinen Sightseeingplan zu starten. Es zog mich zum gleichen Platz, wie am vorherigen Abend und bei einem Kaffe im Starbucks starrte ich glückerfüllt abermals auf die Skyline, um dann das Artmuseum und das historische Museum zu besuchen und mich dann schrecklich zu verlaufen auf der Suche nach dem Jade oder Ladiesmarkt. Sage und schreibe zwei Stunden später hatte ich dann zumindest das richtige Viertil gefunden, doch beide Märkte blieben für mich unauffindbar. Dafür hatte ich aber den Ort des Nachtmarktes gefunden. Was mir 17 Uhr leider mal gar nichts nützte, weil gerade erst langsam begonnen wurde, die ersten Stände aufzubauen. Ein Spaziergang durch die nächsten Blocks zeigte mir, wie eng Hongkong sein kann und wie weit man von englischer Sprach weg sein kann, denn selbst im Mc Donalds fand ich nur sehr schwer eine Karte, die neben chinesischen Schriftzeichen auch eine englische Beschreibung enthielt. Weil ich schon wieder nicht mehr wusste, wo genau ich war, der Jade und der Ladiesmarkt schon geschlossen hatten und die Polizei mir irgendwie auch nicht helfen konnte, nahm ich einfach ein Taxi zur Avenue of Stars. Die ist direkt neben dem Museum of Art, was mir wiederum zum dritten Mal den Ausblick auf die Skyline Hongkong Islands brachte. Leider kannte ich nur genau zwei der Stars, weil alle aus Hongkong kommen und ich mit asiatischen Filmen so gut wie nichts zu tun habe. Als ich einen Kiosk fand, der mir eine deutsche Zeitung verkaufte, entschied ich, einfach zeitunglesend eine Stunde auf die Fähre zu warten, von der aus ich die Lightshow der Hochhäuser betrachten wollte. Das hat super geklappt, bis mein Fotoapparat auf der Fähre keine Batterie mehr hatte. Doch der Eindruck bleibt für immer in meinem Kopf! Den Abend schloss ich mit einem Schokoladenmartini in einer Bar in der obersten Etage eines Hochhauses ab. Weil der so stark war, ging ich auch bald ins Bett und wachte erst gegen Mittag auf (wegen fehlenden Fensters). Diesmal ging ich in ein anderes Kaffee und lernte zwei Briten kennen, die auch auf dem Weg zum Ladies und Jademarkt waren. Super, denn die hatten einen ziemlich guten Orientierungssinn. Beide Märkte waren schön und ich kaufte mir eine neue Kette und wunderte mich, dass es wohl in ganz Asien die gleichen gefälschten Uhren und Markenhandtaschen gibt. Beim Essen stieß Seth zu uns, der uns lachend erklärte, dass er uns in diesem Gewimmel gefunden hatte, weil wir im einzigen Restaurant mit englischer Karte saßen. Gemeinsam machten wir uns auf zur Peak Tram, die uns auf die Spitze des Victoria Berges bringen sollte. Doch leider verliefen wir uns und kamen erst an der Haltestelle an, als die Lightshow, die wir von der Bergspitze aus betrachten wollten, schon angefangen hatte. Inzwischen war auch Cynthia wieder bei uns und auf Anhieb verstanden sie und der eine Brite sich blendend. Die beiden Briten waren echt super nett und mächtig verrückt und wir hatten tierischen Spaß. Nach einem Essen verabschiedeten wir uns von den beiden Honkongern und machten uns auf in ein Viertel namens Lang Kwai Foon. Sowas wie eine Pub Street, wie in Kambodscha. Alle drei mussten wir lachen, denn wir hatten keine feiernden Massen in mitten Hongkongs erwartet, wie wir es in Siem Reap gesehen hatten (die Briten waren zwei Wochen in Kambodscha unterwegs). Bei viel Bier und lauter Musik ließen wir den Abend ausklingen und fuhren mit einem viel zu schnell fahrenden Minibus zurück zum Hostel (wir waren alle im gleichen). Am nächsten Morgen trafen wir uns wieder um den giant Buddah anzusehen, der auf einer der outlaying Islands sein sollte und anschließend an irgendeinem Strand baden zu gehen. Es dauerte über drei Stunden, bevor wir endlich den Buddah sahen, denn die Fahrt mir der U-Bahn dauerte ewig und die Seilbahn, die eigentlich zur Bergspitze fahren sollte, fuhr nicht. Nach gefühlten zweihundert Stufen betrachtenten wir einen wirklich gigantischen Buddah, doch es war zu touristisch, als dass auch nur ein Hauch von Spirit auf uns überspringen wollte. Also ging es verschwitzt zurück zum Bus und wir beschlossen, dass wir es wohl auf keine weitere Insel mehr schaffen würden, wenn wir diesmal die Lightshow vom Berg aus betrachten wollten. Doch vom Bus aus sahen wir einen so wunderschönen und menschenleeren Strand, dass wir prompt den Busfahrer anhalten ließen und aufgedreht wie kleine Kinder durch den Sand und ins pisswarme Wasser sprangen. Bezaubernd. Eine solche Oase im sonst so überfüllten und geschäftigen Hongkong hatten wir nicht erwartet. Zum Abschluss ein Bierchen, bevor wir mit Bus und U Bahn zum Treffpunkt mit Seth und Cynthia fahren wollten. Daraus wurde leider nichts, denn es kam erst ewig kein Bus und dann erwischten wir die langsamste Fähre der Welt, verpassten die Lightshow zum zweiten Mal und kamen zwei Stunden zu spät zum Treffpunkt. Wir konnten nicht mal Bescheid sagen, weil mein Handy abermals versagt hatte (Ich hasse das Teil und werde den Verkäufer, der mir versicherte, dass es ein unwahrscheinlich verlässliches Gerät ist, sehr beschimpfen (wenn ich den Mut finde)). Und so landeten wir zum Essen wieder in der Pub Street und fuhren mit dem Taxi zum Nachtmarkt. Leider fuhr der böse Taxifahrer ungefähr zehn Blocks zu weit und wir mussten zurück laufen und sahen nur das Ende des Marktes. Was nicht schlimm war, weil es eh nur Schund zu kaufen gab. Im Seven Eleven kauften wir noch Bier und quatschten bis tief in die Nacht hinein über Gott und die Welt, bevor ich mein Handy auflud und Seth schnell eine Entschuldigungs-SMS schickte und einschlief. Ich stand nur schnell auf, um meinen Hostelaufenthalt um einige Stunden zu verlängern und schlief, bis ein Anruf von Seth mich weckte, der mir versicherte, dass er nicht sauer sei und sich nur Sorgen um unsere Sicherheit gemacht hatte. Mit Seth und zwei seiner Freunde gingen wir wirklich typisch chinesisch Mittag essen, bummelten durch die Flagshipstores und ich bewunderte ein letztes Mal die vielen Wolkenkratzer, bevor ich mich traurig von Seth, seinen Freunden und dem wundervollen Hong Kong verabschiedete. Pünktlich erreichte ich den Flughafen und flog nach Singapur, ohne ein Zimmer gebucht zu haben. Das erledigte ich schnell am singapurer Flughafen um nachts halb eins und ließ mich mit einem Shuttlebus zum Hotel bringen (nicht schön, aber für Singapur billig). Nun sitze ich hier und erkenne traurig, dass eine wundervolle Reise Morgen enden wird. Mir kullern die Tränen von den Wangen, wenn ich daran zurück denke, wie erschreckend, ernüchternd, berührend und erfahrungsreich die letzten zwei Monate waren. Ich bin sehr dankbar, diese großartige Chance bekommen zu haben. Was ich hier über mich, andere Menschen und die Welt gelernt habe, ist unbezahlbar und war wirklich eine lebensverändernde Erfahrung. Ich denke an Kakerlaken, die mich erst in Panik versetzten und mich zum Schluss kaum noch erschreckten, an zahllose Mückenstiche, Geckos, tolle Menschen, die schwierige Kommunikation zwischen den verschiedenen Kulturen, falsche Erwartungen, meine erfüllten Träume, wie sehr ich Deutschland, meine Familie und meine Freunde vermisst habe, den zehn Kilometer Lauf, den Jungle in dem die Uni ist, traumhafte Strände, mein verbessertes Englisch, beeindruckende Strände, bedrückende Armut, extreme Gottestreue und die viele Zeit, die ich mit nachdenken verbrachte. Acht Wochen, die mir Zeit gaben, nicht nur die Welt, sondern auch mich selbst besser kennen zu lernen. Ich habe gesehen, das ich meine Grenze erweitern kann, wenn ich will, dass Welt unwahrscheinlich schön sein kann und wie viel Spaß es macht, seinen Weg von heute auf morgen zu ändern. Ich bin glücklich! Über alles, was ich erlebt habe und auch wieder heim zu kommen.
Vielen Dank an all diejenigen, die mich ermutigt und unterstützt haben!
Eure bald heim kehrende Liv!
Eingestellt von Olivia1986 00:07 Archiviert in Hong-Kong Kommentare (0)

